By Julian Culp
Abstract:In der Debatte über ideale und nicht-ideale Theorie diskutieren zeitgenössische politische Philosoph*innen die Methode sozialer Gerechtigkeitstheorie. Manche argumentieren dafür, dass Theorien sozialer Gerechtigkeit ideal sein sollten, und rechtfertigen allein idealtheoretisch eine bestimmte Auffassung einer gerechten Gesellschaft als Ziel für soziale Reformen. Andere behaupten hingegen, dass Theorien sozialer Gerechtigkeit nicht-ideal sein sollten, und rechtfertigen allein nicht-idealtheoretisch wie mit sozialen Ungerechtigkeiten im Status Quo umzugehen ist. Dieser Aufsatz teilt die Auffassung derjenigen die, wie John Rawls, die Auffassung vertreten, dass Gerechtigkeitstheorien aus einem idealen und einem nicht-idealen Teil bestehen sollten. Er kritisiert Rawls jedoch dafür, den idealen gegenüber dem nicht-idealen Theorieteil zu priorisieren, und verteidigt die wechselseitige Abhängigkeit bzw. Gleichursprünglichkeit idealer und nicht-idealer Theorie. Denn nicht nur bedarf der nicht-ideale Teil einer Gerechtigkeitstheorie eines idealtheoretisch gerechtfertigten Zieles für soziale Reformen. Ebenso benötigt der ideale Teil einer Gerechtigkeitstheorie den nicht-idealen Theorieteil, um zu bestimmen, ob und wie das Ziel sozialer Reformen realisierbar ist.
In the ideal vs. non-ideal theory debate contemporary political philosophers discuss the method of theorizing social justice. Some argue that theories of social justice should be ideal and justify exclusively in ideal theory a just society as goal for social reform. Others hold that theories of social justice should be non-ideal and justify exclusively in non-ideal theory how to address social injustices in the status quo. This article shares the view of those who, like John Rawls, maintain that theories of justice must consist of an ideal and a non-ideal theory part. Yet it criticizes Rawls for prioritizing ideal over non-ideal theory and defends the mutual dependence or co-originality of ideal and non-theory. For not only does non-ideal theorizing depend on a goal of social reform justified in ideal theory. Ideal theorizing also depends on a non-ideal theory to determine whether and how the goal for social reform is feasible.
Published:
2025
DOI:
www.klostermann.de/Zeitschriften/ZeitsfphilForschung
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